News 23.01.2026
Ohne Effizienz im Bestand scheitert die Energiewende
Ralf Lanzrath

Einordnung auf Basis der Agora-Energiewende-Bilanz 2025 vom 9. Januar 2026.
Die jüngste Bilanz des Energiejahres 2025 von Agora Energiewende ist in ihrer Diagnose bemerkenswert klar:
Deutschland verliert beim Klimaschutz an Tempo. Zwar sinken die Treibhausgasemissionen weiter, doch die Reduktion fällt 2025 weniger als halb so hoch aus wie im Vorjahr. Noch gravierender ist die strukturelle Aussage dahinter: Die Energiewende scheitert nicht an fehlendem Ausbau erneuerbarer Erzeugung – sie scheitert an der mangelnden Transformation auf der Nachfrageseite, insbesondere im Gebäudebestand.
Für die Wohnungswirtschaft, Kommunen – und für Unternehmen wie PAUL Tech – ist das kein unlösbares Problem. Im Gegenteil: Der Status quo der Energiewende verstärkt genau jene Marktlogik, auf der skalierbare, digitale Effizienzmodelle im Bestand aufbauen.
1. Fehlende Elektrifizierung im Bestand wird zum systemischen Risiko
Agora zeigt deutlich: 2025 konnte die Energiewirtschaft die Defizite in den Nachfragesektoren erstmals nicht mehr kompensieren. Besonders im Gebäude- und Verkehrssektor bleibt die Elektrifizierungsdynamik zu schwach. Während erneuerbare Erzeugung weiter wächst, stagniert der Stromverbrauch – entgegen dem globalen Trend.
Im Gebäudesektor ist die Lage eindeutig:
- Rund drei Viertel des Wohnungsbestands werden weiterhin fossil beheizt.
- Wärmepumpen sind im Neubau Standard, im Bestand jedoch noch die Ausnahme.
- Die Emissionsminderungen im Gebäudebereich bleiben weit hinter dem notwendigen Pfad zurück.
Das zentrale Problem ist dabei nicht die Technologie. Agora stellt klar fest: Wärmepumpen arbeiten heute in nahezu allen Gebäudetypen effizient – auch ohne umfassende Sanierungen.
Was fehlt, ist die systemische Integration im Bestand: Steuerung, Optimierung, Lastmanagement und die intelligente Einbindung in ein zunehmend erneuerbares Stromsystem.
Damit wird der Gebäudebestand vom „Nachzügler“ zum systemischen Risiko für die gesamte Energiewende. Ohne massive Effizienzgewinne und Elektrifizierung im Bestand sind weder die nationalen Klimaziele noch stabile Energiepreise erreichbar.
2. Strompreislogik: Erneuerbare dämpfen Preise – Effizienz entscheidet über den Hebel
Ein weiterer zentraler Befund der Agora-Bilanz betrifft die Strompreise.
2025 lag der durchschnittliche Börsenstrompreis bei rund 89 EUR/MWh. Hohe Erdgaspreise trieben die Preise zu Jahresbeginn, während hohe Anteile erneuerbarer Energien im weiteren Jahresverlauf preisdämpfend wirkten. Für die kommenden Jahre erwarten Marktakteure einen Rückgang auf etwa 80 EUR/MWh.
Die Logik ist eindeutig: Je höher der Anteil erneuerbarer Energien, desto günstiger wird Strom strukturell.
Doch Agora macht ebenso deutlich: Der preisliche Vorteil erneuerbarer Energien entfaltet seine Wirkung nur dann vollständig, wenn Verbrauch flexibel, effizient und steuerbar ist. Genau hier liegt der Engpass im Gebäudebestand:
- Unflexible Lastprofile
- Ineffiziente Heizsysteme
- Fehlende digitale Steuerung
- Kaum genutzte Speicher- und Optimierungspotenziale
Ohne Effizienz verpufft der Preisvorteil erneuerbarer Energien.
Mit Effizienz wird er zum wirtschaftlichen Hebel.
Für Bestandshalter bedeutet das: Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob Strom günstiger wird sondern wer in der Lage ist, diesen günstigen Strom systematisch zu nutzen.

Stromeffizienz im Quartier wird durch erneuerbarer Energien getrieben
3. Wärmepumpen: Technik bereit – Systemintegration fehlt
Ein besonders aussagekräftiger Befund der Agora-Analyse betrifft den Wärmepumpenmarkt. 2025 wurden erstmals mehr Wärmepumpen verkauft als Gasheizungen. Der Trend zur Elektrifizierung ist also real und marktreif.
Gleichzeitig zeigt Agora aber auch die Grenzen dieses Fortschritts:
- Das Strom-Gas-Preisverhältnis liegt mit rund 3,3 : 1 noch knapp über der Schwelle, ab der Wärmepumpen im Betrieb klar günstiger sind.
- In weniger gut gedämmten Bestandsgebäuden entscheidet nicht die Wärmepumpe allein, sondern das Gesamtsystem über Wirtschaftlichkeit.
- Der Energieträgermix in Wärmenetzen verändert sich nur langsam, Großwärmepumpen spielen bislang eine marginale Rolle.
Die Schlussfolgerung ist eindeutig:
Die Wärmepumpe ist keine Stand-alone-Lösung. Sie entfaltet ihren wirtschaftlichen und klimapolitischen Nutzen erst als Teil eines intelligent gesteuerten, effizienten Energiesystems im Gebäude.
4. Warum der Status quo das Geschäftsmodell von PAUL Tech beflügelt
Aus der Agora-Bilanz lässt sich eine klare Marktaussage ableiten:
Die Energiewende wird nicht am Ausbau erneuerbarer Energien entschieden, sondern an der Effizienz und Steuerbarkeit des Bestands.
Genau hier setzt PAUL Tech an.
- Effizienz UND Ersatz: PAUL reduziert Energieverbrauch im Bestand sofort – aber der vollständigen Austausch der Technik bringt den größten Hebel.
- Systemintegration: Heizungsanlagen, Wärmepumpen, Stromverbrauch und Lastprofile werden digital optimiert und intelligent gesteuert.
- Skalierbarkeit: Während Sanierungen Jahre dauern, sind Effizienzmaßnahmen kurzfristig umsetzbar und wirtschaftlich.
- Strommarktfähigkeit: Effiziente Gebäude können günstige EE-Strompreise tatsächlich nutzen – ineffiziente nicht.
Damit adressiert PAUL Tech exakt jene Lücke, die Agora als strukturelles Problem identifiziert: die fehlende Transformationsdynamik im Gebäudebestand.

5. Handlungsimplikationen für Wohnungswirtschaft und Kommunen
Aus dem Status quo der Energiewende ergeben sich klare Konsequenzen:
Für die Wohnungswirtschaft
- Effizienz wird zur strategischen Kernkompetenz, nicht zur Nebenmaßnahme.
- Digitale Optimierung ist der schnellste Hebel für Kosten- und Emissionsreduktion.
- Investitionen in Effizienz senken regulatorische Risiken (CO₂-Preis, ETS II).
Für Kommunen
- Klimaziele sind ohne Effizienz im Bestand nicht erreichbar.
- Digitale Lösungen ermöglichen Wirkung, bevor Großprojekte abgeschlossen sind.
- Effizienz schafft soziale Stabilität durch niedrigere Energiekosten.
Fazit: Effizienz ist kein Add-on – sie ist die Voraussetzung
Die Agora-Bilanz 2025 ist kein pessimistisches Papier. Sie ist eine realistische Standortbestimmung.
Sie zeigt: Die Energiewende scheitert nicht an fehlender Technologie, sondern an fehlender Umsetzung im Bestand.
Für PAUL Tech bedeutet das Rückenwind.
Denn in einem Energiesystem, das zunehmend erneuerbar, aber zugleich komplexer wird, entscheidet Effizienz darüber, ob Klimaschutz wirtschaftlich funktioniert.