News 20.12.2025
Elektrifizieren statt überdämmen: Warum die Wärmewende im Bestand neu gedacht werden muss
Ralf Lanzrath

Über Jahre galt eine hohe Sanierungsquote als zentrale Voraussetzung für Klimaneutralität im Gebäudesektor. Zwei Prozent pro Jahr wurden politisch gesetzt, massiv gefördert – und in der Praxis dennoch nie erreicht. Eine neue Sensitivitätsanalyse von Prognos im Auftrag der Stiftung Klimaneutralität stellt diese Annahme nun grundlegend infrage.
Das Ergebnis ist klar und setzt die Prioritäten neu:
Klimaneutralität im Gebäudesektor ist auch mit einer dauerhaft niedrigen Sanierungsrate erreichbar. Entscheidend ist nicht maximale Dämmung, sondern die schnelle Elektrifizierung der Wärmeversorgung.
Was die Studie zeigt – und was sie widerlegt
Die Analyse vergleicht das etablierte Szenario „Klimaneutrales Deutschland 2045“ mit einer Sensitivität, in der die Sanierungsrate dauerhaft auf dem heutigen Niveau von rund 1 % verbleibt. Das zentrale Ergebnis:
- Die Gesamtsystemkosten steigen nicht, sondern sinken über den Zeitraum 2025–2045 leicht (–200 Mio. €).
- Der Mehrenergiebedarf im Jahr 2045 beträgt lediglich +4 % im Gebäudesektor.
- Der zusätzliche Strombedarf liegt bei nur +0,5 % des Bruttostromverbrauchs.
- Die Mehrkosten im Energiesystem werden durch eingesparte Investitionen in Gebäudedämmung überkompensiert.
Mit anderen Worten:
Jeder zusätzliche Euro für pauschale Effizienzmaßnahmen spart weniger CO₂ als ein gezielter Heizungstausch.
Der Kern der Wärmewende: Heizungstausch statt Sanierungsdogma
Die Studie formuliert es ungewöhnlich deutlich:
Nicht eine hohe Sanierungsrate ist Voraussetzung für Klimaneutralität – sondern die konsequente Elektrifizierung der Wärme durch Wärmepumpen, Nah- und Fernwärme.
"Die Wärmewende wird nicht an der Fassade entschieden, sondern im Heizraum. Das haben wir früh erkannt – und deshalb unseren Pioniergeist konsequent auf Wärmepumpen und deren Steuerung ausgerichtet."
Sascha Müller, Vorstandsvorsitzender PAUL Tech AG
Energetische Sanierungen bleiben sinnvoll:
- für Komfort,
- für Werterhalt,
- für einzelne Gebäude, die sonst nicht effizient elektrifizierbar sind.
Aber sie sind kein systemischer Engpass der Wärmewende.
Das widerspricht der verbreiteten Annahme, dass erst gedämmt und dann elektrifiziert werden müsse.
Warum diese Erkenntnis für Eigentümer und Investoren entscheidend ist
Gerade im Bestand führen umfassende Sanierungen häufig zu:
- sehr hohen Vorabinvestitionen,
- langen Amortisationszeiten,
- steigenden Mieten und Akzeptanzproblemen.
Die Studie zeigt dagegen:
Kosten lassen sich volkswirtschaftlich besser im Stromsystem verteilen als im einzelnen Gebäude. Das ist sozial robuster, schneller umsetzbar – und planbarer.
Für Bestandshalter bedeutet das:
- geringere Investitionsrisiken,
- schnellere CO₂-Reduktion,
- höhere Planungssicherheit.
Warum PAUL genau auf diesen Pfad setzt
PAUL verfolgt seit Beginn einen klaren Ansatz:
Elektrifizieren, wo es technisch möglich ist – ohne den Umweg über unnötige Vollsanierungen.
Die Ergebnisse der Prognos-Studie bestätigen diesen Weg wissenschaftlich:
- Wärmepumpen funktionieren auch im Bestand.
- Nicht jedes Gebäude muss auf Effizienzklasse A gebracht werden.
- Entscheidend ist die Systemintegration: Strom, Regelung, Betrieb.
Die Wärmewende ist kein Dämmwettbewerb.
Sie ist eine Infrastruktur- und Elektrifizierungsaufgabe.
Fazit
Die Studie erweitert den klimapolitischen Handlungsspielraum erheblich – und entlastet Eigentümer, Mieter und Kommunen gleichermaßen.
Wer jetzt noch behauptet, Klimaneutralität sei nur über maximale Gebäudedämmung erreichbar, ignoriert die Systemrealität.
Die Wärmewende wird elektrisch. Und sie beginnt mit dem Heizungstausch – nicht mit dem zukleben der Fassade.
Hier der Link zur Prognos Studie, dort PDF downloaden und Bescheid wissen:
https://www.prognos.com/de/projekt/sanierungsraten-energiesystem-systemkosten

